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Positionen Konzeptionen Arbeitschwerpunkte:
Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl:
Schulen haben als sozialer, ethischer und ästhetischer Erfahrungsraum eine entscheidende gesellschaftsprägende Wirkung. Die Bildungsdebatte nach PISA macht die Entwicklung eines qualitativen Leistungsspektrums von Lehrerbildung erforderlich, welche auch Fragen nach ethischer Orientierungshilfe in Wissenschaft und Gesellschaft ernst nimmt. Denn der Auftrag der schulischen Bildung geht weit über die funktionalen Ansprüche von Bildungsstandards hinaus. Möglichkeiten der Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen, die über das testfähige Leistungsspektrum hinausgehen, sind schulinhaltlich noch zu operationalisieren (vgl. KMK-Forderung 2004). In der konkreten und geistigen Auseinandersetzung mit der soziokulturellen Lebenswelt sind verantwortlich handelnde Menschen das Ziel jeder humanen Bildungsbemühung. Doch dazu bedarf es einer kritischen Reflexion und einen Paradigmenwechsel hinsichtlich des Effizienzkriteriums von Schulbildung. Zur Professionalisierung des Lehrberufs sind ethisch verantwortete Maximen und Modelle für das Unterrichts- und Erziehungshandeln als tragende Pfeiler der Schul- und Kommunalbildung heute neu zu bestimmen.
Aus meiner Arbeitsperspektive als Bildungsdidaktikerin habe ich seit Jahren an der LMU interdisziplinäre Lehrveranstaltungen mit ethisch relevanten Themenbereichen organisiert, um dieses wichtige Schulqualitätsanliegen zusammen mit Kollegen aus unterschiedlichen Fächern in den lehramts- und fächerübergreifenden Diskurs einzubringen. Bei der fachlich isolierten Theoriebildung erfolgt oft eine bildungsunwirksame Realitätsferne; hingegen ist der multidisziplinäre Sachzugang ein zukunftsfähiges didaktisches Handlungskonzept, das den Weg für sinnennah-ästhetische und handlungsrelevant-ethische Dimensionen eröffnet und der wachsenden Komplexität unserer Lebensbedingungen entgegenkommt.
Diese bildungsdidaktischen Intentionen sollen im Rahmen unserer Projektgruppe „Ethische und ästhetische Dimensionen in Bildungsprozessen“ von mir zur theoretischen Diskussion gestellt und praxisrelevant fortentwickelt werden, um einen ethisch verantworteten Paradigmenwechsel für zukunftsfähige Bildungsprozesse mitzugestalten; mein Arbeitsschwerpunkt: "Kulturästhetik in ethischer Verantwortlichkeit".
Prof. Dr. Norbert Brieskorn, S. J.:
Mein Interesse am Arbeitskreis ist wie folgt definiert:
Es lohnt sich, im Unterricht aufzuzeigen, dass und wie die Menschen alles und jedes von sich abhängig machen und dabei sich selbst in Abhängigkeiten begeben. Man könnte auch sagen: Sie wollen Abhängigkeiten schaffen und sich in Abhängigkeiten begeben. Diese Prozesse wären in Literatur, Geschichte und im philosophischen Nachdenken aufzuzeigen. Sie haben mit Macht und Ohnmacht, Verselbstständigungen und Verstrickungen menschlichen Lebens zu tun.
Darauf aufbauend wären die vielfältigen Grenzen menschlichen Lebens zu zeigen: körperlicher, zeitlicher, räumlicher Art, im Erkennen und Erinnern, im Planen und Verwirklichen.
In einem dritten Schritt ist auf die Menschenwürde aufmerksam zu machen. Sie verträgt es nicht, dass Menschen oder Menschengruppen gegeneinander aufgerechnet und verrechnet werden, dass bestimmte Rechte und Pflichten zum Gegenstand von Verhandlungen, der Politik und im täglichen Miteinander werden. Zu zeigen ist, dass diese Würde ein Doppelantlitz hat. sie ist unverwirkbar da, und muss doch täglich immer aufs neue bewährt werden. Sie ist gegeben, vor-gegeben und auf-gegeben.
PD Dr. Alf Christophersen:
Innerhalb der gegenwärtigen theologischen (Selbstverständigungs-)Debatten nimmt der Status der Ethik einen zunehmend spezifisch herausgehobenen Rang ein. Dabei treten insbesondere manche Fragestellungen, die einst stärker unter der Perspektive einer „Politischen Theologie“ oder „Politischen Religion“ verhandelt wurden, unter neuer Bezeichnung wieder auf. Dies gilt etwa im Kontext der Themen Krieg, Frieden, Verhältnis von Ökonomie und sozialen Bedingungen, Demokratieverständnis, Ökologie etc. Zusätzlich werden die vielfältigen, einer enormen Beschleunigungsdynamik unterliegenden Prozesse innerhalb des gegenwärtigen Wissenschaftsfortschritts in den ethischen Diskurs integriert: als Hauptfeld erscheint dabei die Bioethik (inklusive der Medizinethik).
Unter unterschiedlichem konfessionellen Blickwinkel und differenter Traditionsbildung werden auf dem Feld der Ethik Kämpfe um Positionierung und Geltung des je eigenen theologischen Standpunktes und seines auch gesellschaftspolitischen Anspruches ausgetragen. Dies geschieht immer wieder im Modus der (Re-)Aktivierung des Gesamtbestands bisheriger ethischer Theoriebildung und überkommener Moralvorstellungen.
Vor diesem Hintergrund erhält die Vermittlung eines zentralen ethischen Grundwissens und die Einübung eigener ethischer Urteilsbildung eine kriteriologische Relevanz. Die universitäre Lehrerausbildung hat hier eine markante Schlüsselstellung inne: Sie befindet sich genau an der Nahtstelle zwischen wissenschaftlicher Theoriereflexion auf der einen und schulbezogener Anwendung auf der anderen Seite.
Insoweit sich die ethische Dimension derart beschreiben läßt, kann auch die ästhetische Perspektive, nicht zuletzt als das Erleben von Werten und Verstehen von Symbolen, integriert werden. Dabei zeigt sich: Viele ethische Probleme sind nicht selten ästhetischer Natur ein Eindruck der als Bildungserlebnis Gestalt gewinnen kann.
PD Dr. Herbert Huber:
Ethik und Ästhetik haben ihre gemeinsame Wurzel in dem ontologischen Sachverhalt, dass die Dinge physisch, ideell und psychisch aufeinander wirken. Jede Wirkung ist eine Mitteilung, nämlich eine Selbstdarstellung des Wirkenden und eine Rezeption durch das Betroffene. Die Wahrnehmung der eigenen Wirklichkeit der Wesen in der Welt ist Sache der Ästhetik. Die Achtung gegenüber der eigenen Wirklichkeit der Wesen in der Welt ist Sache der Sittlichkeit. Derzeit herrscht in unserer Zivilisation jedoch der instrumentelle Zugriff auf die Wirklichkeit vor. Die Dinge werden fast ausschließlich danach betrachtet und behandelt, was man mit ihnen machen kann, nicht danach, was sie an ihnen selber sind. Die Welt ist nicht Gegenstand kontemplativen Schauens, sondern technischer Manipulation. Versäumt es der Mensch aber, seine Fähigkeit zur Ehrfurcht zu kultivieren, setzt er wie Goethe vollkommen richtig gesehen hat sein Menschsein auf’s Spiel.
Folgende Aufgaben sehe ich als vordringlich an:
- Sensibilisierung für die von jeder Nutzenkalkulation unabhängige Eigenqualität des Ästhetischen und Sittlichen (seine „Unbedingtheit“): damit Grundlegung eines nicht bloß konstruktivistischen, konventionalistischen oder kontraktualistischen Verständnisses von „Werten“ (wie es z. B. immer noch im bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan vertreten wird), sondern eine ontologische Grundlegung der Werthaltigkeit des Seienden. Hier sind vor allem Überlegungen zu revitalisieren, wie sie etwa bei Platon, Leibniz, Schopenhauer und Whitehead entwickelt werden.
- Profilierung der spezifischen Gegenstandsfelder und Artikulationsweisen unterschiedli-cher Dimensionen von Vernunft und Sprache: Rationalität und Sprache der Wissenschaft(en) bzw. der an Fachwissenschaften orientierten Schulfächer versus Rationalität und Sprache von Lebenswelt, Musik, Dichtung und Religion.
- Reaktivierung des kritischen Potentials eines authentischen Begriffes von sittlicher Bildung gegen deren instrumentalisierende Depotenzierung zur Ausbildung für systemische Zwecke.
- Explizite Herausarbeitung der ethischen und philosophischen Grundfragen der schulischen Themenfelder: mathematisch-naturwissenschaftliches, sprachlich-literarisches, historisches, human-sozialwissenschaftliches, musisch-künstlerisches, religiös-sittliches Feld.
Prof. Dr. Klaus H. Kiefer:
Werteerziehung ist Leitziel jedes Unterrichts; dennoch sind im seltensten Fall DeutschlehrerInnen dafür ausgebildet, ethische Reflexionen, Interpretationen und Argumentationen durchzuführen. Angesichts der Vielheit von Werten und Normen, die als solche erst durch Negation oder Konflikt bewußt werden, bedarf es einer übergeordneten Wertungskompetenz. Sprache und (nicht nur literarische) Texte, aber auch Bilder und Artefakte jeglicher Art sind Medien des Umgangs mit Werten und Normen, die insofern auch eine ästhetische Dimension besitzen. Werte und Normen sind Zeichen im Gebrauch. Ästhetizität und Semiotizität allerdings implizieren das Risiko der Arbitrarität. Das Kunstwerk (aber nicht nur dieses) stellt in der Regel eingespielte Werte und Normen in Frage. In diesem Zusammenhang stellt sich die Forderung nach einem neuen Bildungsbegriff, der ethische und ästhetische Dimensionen integriert.
Die Fachdidaktik ist wie die Ethik Anwendungswissenschaft; sie arbeitet angesichts der Komplexität ihrer Gegenstände (Sprache, Text, Bilder, Artefakte...) notwendigerweise fächerübergreifend.
Dr. Helmut J. Serve:
Folgende Aufgaben erscheinen mir zunächst von vorrangiger Bedeutung zu sein (die Reihenfolge drückt keine unterschiedliche Bewertung aus):
- Erhellung des Zusammenhangs zwischen personalem Menschenbild und ethischer sowie ästhetischer Orientierung in Bildungsprozessen.
- Sensibilisierung für die „selbstzweckliche“ Bedeutsamkeit ethischer und ästhetischer Bildung.
- Erschließung relevanter ethischer und philosophischer Grundkategorien schulischer Bildung(-shilfe).
- Aktivierung der Bereitschaft kritisch und differenzierend über vorfindliche Moralvorstellungen und moralische Aussage- und Handlungsformen nachzudenken, um daraus Schlüsse für die Erziehungsarbeit unter besonderer Berücksichtigung der Wertklärung und Wertorientierung ziehen zu können.
- Hinführung zu Fragen einer pädagogischen Verantwortungsethik als bedeutendem Moment einer ethisch und ästhetisch dimensionierten Bildungs-(hilfe-) praxis.
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