Lehrstuhl Pädagogik bei geistiger Behinderung und Verhaltensstörung
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Großes Interesse und Begeisterung beim 1. Tag der Forschung im SS 2017

17.05.2017

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Unter dem Motto „Forschen kann man lernen“ haben wir bereits vor einem Jahr bereits im Sommersemester 2016 unsere Forschungslernwerkstatt eröffnet. Seitdem ist viel passiert. Über Vorträge und Workshops konnten wir unsere Studierende für Forschung begeistern, sie bei ihren wissenschaftlichen Abschlussarbeiten (ZULAS) beraten und unterstützen. Zwischenzeitlich arbeiten mehr als 12 Student/-innen als studentische Hilfskräfte am Lehrstuhl und forschen gemeinsam mit uns in unterschiedlichen, drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten. Erfreulicherweise schreiben immer mehr Studierende ihre wissenschaftlichen Zulassungsarbeiten (ZULAs) im Kontext unserer Forschungsprojekte oder entwickeln selbst außerordentlich spannende Fragestellungen über aktuelle Brennpunkte und Probleme der Sonderpädagogik, denen sie dann empirisch nachgehen, im Feld mit quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden nachspüren und als „Forscherinnen und Forscher in der Praxis für die Praxis“ beantworten.
Kein Wunder, dass am 17. Mai 2017 bei unserem ersten „Tag der Forschung“ neben den Mitarbeiter/-innen und Doktorand/-innen am Lehrstuhl vor allem die Studierenden beider sonderpädagogischer Fachrichtungen ihre forschungsstarken Projekte und Zulassungsarbeiten in Workshops und als Poster präsentieren konnten. Entsprechend gut waren die 12 Workshops am Nachmittag dann auch am Tag der Forschung besucht. Knapp 200 Studierende haben die parallel in zwei Zeitschienen angebotenen Workshops besucht, sich über die Breite der Forschungsthemen informiert und darüber diskutiert. Gerade von den Studierenden, die kurz davor stehen ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit zu schreiben oder schon mitten drin bei dieser forschenden Arbeit sind, war die Resonanz groß und die Rückmeldungen sehr positiv.

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Die 12 Workshops, in denen die laufenden Forschungsaktivitäten der Student/-innen und Doktorand/-innen am Lehrstuhl vorgestellt wurden, sind gut angenommen und mit Interesse verfolgt worden. So beispielweise Moritz Pöhlmann, Student der Pädagogik bei geistiger Behinderung am Lehrstuhl, der Kommiliton/-innen seine Zulassungsarbeit „Anregung zur hochschuldidaktischen Implementierung autismusspezifischer Curricula im Studium. Ergebnisse einer Fragebogenstudie zu Fachwissen und Einstellungen unterschiedlicher Studierendengruppen liefern ersten Wirksamkeitsnachweis“ vorstellte.
Den Tag der Forschung selbst eröffnete Prof. Markowetz in der Zeitungslesehalle im „Schweinchenbau“ der LMU München und hieß die rund 80 anwesenden Gäste herzlich willkommen. Nach seinen kurzen Erläuterungen über den Sinn und Zweck, aber auch die Aufgaben und Angebote einer Forschungslernwerksatt (Flyer der Forschungslernwerkstatt) begrüßte der Lehrstuhlinhaber für Pädagogik bei Verhaltensstörungen und Pädagogik bei geistiger Behinderung den Kollegen und Festredner des Tages Prof. Dr. Dieter Katzenbach von der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Als Herausgeber des Lehrbuches „Forschungsmethoden in der Sonderpädagogik“ widmete sich Prof. Katzenbach in seinem gut besuchten Vortrag diesem Thema zu. Aufmerksam hörten Studierende, Doktoranden, Mitarbeiter am Lehrstuhl aber auch Kollegen anderer Fachrichtungen dem Vortrag zu und diskutierten, angeregt durch seine spannenden, vor allem aber verständlichen und Lehrer/-innen zu Forschung motivierenden und einladenden Ausführungen, unmittelbar im Anschluss an den Vortrag, aber auch noch in den Pausen mit Prof. Katzenbach.

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Den Foliensatz des spannenden Vortrages über „Forschungsmethoden in der Sonderpädagogik“ von Prof. Katzenbach können Sie hier downloaden!
Rund um seinen Vortrag hatten die Besucher des Tages der Forschung die Möglichkeit sich nicht nur die 10 Poster an den Stellwänden anzuschauen, die von unseren Studierenden auf Einladung und Ausschreibung eines Posterwettbewerbes am Lehrstuhl eingereicht wurden. Zu zwei, fest im Programm ausgewiesenen Zeitfenstern konnten sie sich auch direkt an Ort und Stelle vor den Postern die Forschungsvorhaben der Kommiliton/-innen vorstellen und erklären lassen. Ganz besonders wurde der Austausch im Sinne des Peer-To-Peer-Learnings von den Studierenden geschätzt, die sich für die Poster und die dahintersteckenden Forschungsarbeiten im Rahmen der wissenschaftlichen Abschlussarbeiten interessierten. Gleichzeitig stieg die Spannung welche drei Arbeiten der von den Studierenden eingereichten Poster wohl mit Preisen prämiert werden würden.

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Um 18 Uhr stand das Ergebnis der Jury fest, so dass vor der Podiumsdiskussion endlich die Prämierung stattfinden konnte. Im Plenum erläuterte Prof. Markowetz den zahlreichen Besuchern nochmals die Kriterien, die von der zehnköpfigen Jury, bestehend aus dem wissenschaftlichen Team am Lehrstuhl, beachtet und mit Punkten versehen wurden. Prof. Markowetz laudatierte nacheinander die Preisträger und übergab die drei ausgelobten Preise und die dazugehörige Urkunde an drei Studierenden, die die besten Poster erstellt haben:

  • Kathrin Freundorfer hat für ihr Poster über ihre ZULA „Eltern im Schulhaus willkommen heißen – erfolgversprechende Anstöße zur Kontaktaufnahme und Wege der Kooperation mit den Eltern am Sonderpädagogischen Förderzentrum“ den 3. Platz belegt und erhielt dafür ein Fachbuch im Wert von 50 EURO!
  • Veronika Kratschmann hat für ihr Poster über ihre ZULA „Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung – Durchführung anhand einer beispielhaften Bilderbuchlektüre in einer Grundschulstufe am Förderzentrum geistige Entwicklung“ den 2. Platz belegt und erhielt dafür eine externe Festplatte!
  • Mareike Beermann hat für ihr Poster über ihre ZULA „Pilotierung eines Fragebogens zur Erhebung von Elternvorstellungen über Autismus“ den 1. Platz belegt und erhielt dafür ein nagelneues iPad!

Ein Sonderpreis ging an Moritz Pöhlmann für sein eingereichtes Poster. Da sein Poster bereits umfänglich an anderer Stelle gewürdigt und eingereicht war (weitere Informationen finden Sie hier), wurden er und sein Poster über seine auch schon benotete Zulassungsarbeit nicht mehr in die Bewertung einbezogen. Pöhlmann, der an dem Tag in einem Workshop nicht nur seine Zulassungs- und Forschungsarbeiten, sondern auch auf seine Initiative hin auch das studentische Projekt „SPAS“ als wertvolle Ergänzung unserer Zusatzqualifikation „Pädagogik bei Autismus-Spektrum-Störungen (P-ASS)“ vorgestellt hatte, erhielt für sein Engagement für Schüler/-innen aus dem Autismusspektrum ein Fachbuch und ein paar mit Liebe selbstgestrickte Socken für seinen „Nachwuchs“ als frisch gebackener Vater.
Natürlich danke Prof. Markowetz allen Studierenden, die ein Poster entworfen hatten. Für das aktive Mitwirken und die Postereinreichung durften sie deshalb ihre Poster, farbig im Format DINA1 auf Kosten des Lehrstuhls ausgedruckt, als Erinnerung mit nach Hause nehmen und ebenfalls eine Urkunde entgegennehmen. Mit viel Applaus wurden die Preisträger des Posterwettbewerbs zum Gruppenfoto an der Stellwand des Siegerposters begleitet:

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Die 4 Preisträger des 1. Posterwettbewerbes anlässlich des Tag der Forschung im Sommersemester 2017: Veronika Kratschmann, Katrin Freundorfer, Mareike Beermann, Moritz Pöhlmann (von links nach rechts). Die vier Siegerposter können Sie sich hier nochmals in Ruhe anschauen!

Im Anschluss daran stand als letzter Programmpunkt eine mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion an, zu der Prof. Markowetz eingeladen hatte und die er geschickt im Interesse seiner Studierenden moderierte. Als Gäste auf dem Podium begrüße und stellte er neben dem Gastredner Prof. Katzenbach, Prof. Kahlert als Lehrstuhlinhaber für Grundschulpädagogik und Direktor des Münchner Zentrums für Lehrerbildung (MZL), Prof. Ditton als Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Pädagogik, Erziehungs- und Sozialisationsforschung und ausgewiesenen empirischen Bildungsforscher sowie Herrn Ministerialrat Weigl, als im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus für Sonderpädagogik zuständigen Fachreferenten vor.
In zwei Runden mit den Diskutanten wurde in einer lebendigen Runde zu vorgerückter Stunde zunächst die Bedeutung und Notwendigkeit der Forschung in der Sonderpädagogik als einer wissenschaftlichen Disziplin betont und von allen Experten zum Ausdruck gebracht, dass und warum Forschungskompetenzen auch und gerade für zukünftige Lehrer/-innen wichtig sind. Ministerialrat Weigl verdeutlichte an Beispielen, dass noch mehr Forschung rund um das Thema Inklusion nötig ist, um die Probleme bei der praktischen Umsetzung in den Schulen lösen zu können. Deshalb war es für Prof. Kahlert auch keine Frage, dass in der Lehrerbildung das Thema Forschung nicht mehr wegzudenken ist, mit Blick auf Schulentwicklungen und Unterrichtsqualität sogar noch vertieft werden sollte. Prof. Ditton als ausgewiesener empirischer Bildungsforscher konnte am Beispiel der Vergleichsstudien wie PISA oder NEPS sehr deutlich machen, dass gerade in der Sonderpädagogik die Herausforderungen der Forschung groß sind, weil nicht mit standardisierten Erhebungen und statistischen Auswertungen allein gute und aussagekräftige Forschungsergebnisse erzielt werden können. Im Rückgriff auf seinen Vortrag zu Beginn des Tages konnte Prof. Katzenbach deshalb nochmals die Bedeutung des qualitativen Forschungsparadigma innerhalb der empirischen Sozial- und Bildungsforschung herausstellen.
Auf die Frage des Moderators, ob zukünftige Lehrer/-innen im Studium das Forschen lernen sollten, waren sich alle Diskutanten darin einig, dass forschend-entdeckendes Lernen und Lehren in der Praxis unserer Häuser des Lehrens und Lernens auch Lehrer/-innen braucht, die für die Praxis forsche und Fragen wissenschaftlich nachgehen und beantworten können. Und da es für die universitäre Lehrerausbildung eben auch immer wieder wissenschaftlichen Nachwuchs braucht, wünschten sich alle auf dem Podium, dass Absolvent/-innen der Lehramtsstudiengängen durchaus noch mehr Forschung wagen sollten, um sich dann über eine Promotion an der LMU als Forscher zu qualifizieren, um die Sonderpädagogik als wissenschaftliche Disziplin und universitär zu studierende Fachrichtung am Leben und am Laufen halten können. Deshalb brachten in der Abschlussrunde auch alle auf ihre Weise zu Ausdruck, dass so ein Tag wie der heutige nicht nur das Bewusstsein für Forschung nach vorn bringt, sondern wohl auch Studierende für Forschung sensibilisieren, vielleicht sogar begeistern kann.

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Nach einer kurzen aber lebendigen Diskussion und gezielten Fragen an die Podiumsteilnehmer bedankte sich Prof. Markowetz bei den Diskutanten mit einem kleinen Geschenk und leitete geschickt in den geselligen Teil des Abends über, in dem er die Band des Abend um den ehemaligen Studenten der LMU Franz Metz und Sänger der „The Sweet Simones“ vorstellte, die dann bis 22 Uhr nach mehreren Zugaben Heiterkeit in lässiger Atmosphäre verbreitete. THE SWEET SIMONES bewegen sich im Bermuda Dreieck von Swing, Jazz und Jump Blues. Die 9 Münchner Musiker spannen mit ihren eigenen Songs und neuen Arrangements den Bogen von Klassikern der swingenden 30er und 40er bis zum heißen Neo-Swing von heute. Immer wieder lockte die Musik der überaus perfekt und mitreißend aufspielenden Combo Studierende und Dozenten zum Tanzen auf die Tanzfläche.
Dank der Fachschaft und ihren fleißigen Händen fehlte es weder an Getränken noch an Essbarem. Und zwischendurch blieb viel Zeit für Gespräche zunächst über den Tag, dann aber immer mehr auch über Themen jenseits der Forschung und des Studiums…

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Am Ende waren sich alle noch anwesenden einig, dass der Tag kurzweilig, fachlich spannend und für das Studium, insbesondere für die Bewältigung der benoteten und immerhin mit 18 ECTS-Punkten ausgewiesenen wissenschaftlichen Hausarbeit (ZULA) außerordentlich gewinnbringend war und vor allen Dingen das Bewusstsein für das Thema Forschung in der Lehrerbildung schärfen konnte.
Mein Dank geht an alle, die diesen Tag wahrgenommen haben und als neugierige wie interessierte Gäste gekommen sind. Insbesondere aber bedanke ich mich bei Prof. Katzenbach, Prof. Kahlert, Prof. Ditton und Ministerialrat Weigl sowie allen Studierenden und Kollegen, die sich an dem Tag beteiligt haben und aktiv bei den Workshops und Posterpräsentationen mitgewirkt haben. Ein besonderer Dank geht an Frau Zimmermann, Frau Selmayr und Frau Wilczek, die den 1. Tag der Forschung mit mir inhaltlich vorbereitet, bestens organisiert und hervorragend koordiniert haben. Nicht zuletzt danke ich der Fachschaft Sonderpädagogik, die am Gelingen des Tages sehr kooperativ mitgewirkt und nach der Podiumsdiskussion für Getränke, Knabbereien, belegte Brötchen, gute Laune und Stimmung gesorgt hat.
Solche außercurricularen Aktivitäten für und im Interesse unserer rund 600 Studierenden der Pädagogik bei geistiger Behinderung und Pädagogik bei Verhaltensstörungen am Lehrstuhl sind immer mit viel Aufwand und Mehrarbeit verbunden. Deshalb freuen wir uns, dass solche „freiwillig“ und „zusätzlich“ zu den Veranstaltungen des Pflichtcurriculums „besuchbare“ Angebote am Lehrstuhl schon wahrgenommen und genutzt werden, auch wenn wir uns gerade für das Thema Forschung in der Lehrerbildung durchaus noch mehr Zuspruch und Resonanz von unseren Studierenden wünschen!
Sicher bin ich mir, dass beim nächsten Forschungsevent sicherlich schon deshalb mehr Studierende zum 2. Tag der Forschung kommen werden, weil die studentischen Preisträger, die Fachschaft, die involvierten aber auch anwesenden Studierenden noch lange von und über diesen Tag reden werden!

Prof. Markowetz und Team