Prof. Dr. Joachim Kahlert - Lehrstuhl für Gundschulpädagogik und -didaktik
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Ausrichtung in der Lehre

Schule verstehen - Professionalität entwickeln bedeutet, die Möglichkeiten der Grundschule als Kerncurriculum für Demokratie und Kultur zu erkennen und zu verstehen und Schule und Unterricht auf dieser Grundlage gestalten zu können.

Zu unserem grundlegenden Verständnis von Gerechtigkeit und Demokratie sollte es heute gehören, alle Kinder und Jugendlichen nach bestem pädagogischen Wissen und Gewissen zu fördern. Jedes Kind soll das Recht und die Chance haben, seine Persönlichkeit nach Maßgabe von Anlagen, Fähigkeiten und Interessen zu entwickeln - und nicht nach den Zufällen von Geburt und Stand. Dies bedeutet mehr als Wissen aus verschiedenen Sach- und Fachgebieten zu erwerben. Gemeinschaft, Staat und Wirtschaft profitieren auch davon, wenn Menschen in ihrer Kindheit und Jugend zum Beispiel ermutigt worden sind, eigene Ziele zu verfolgen, ohne die Interessen anderer dabei aus dem Auge zu verlieren. Oder wenn sie frühzeitig gelernt haben, Anerkennung nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Leider werden nicht alle Kinder und Jugendlichen bereits im Elternhaus in diesem Sinne gefördert. Von Vätern und Müttern können wir wünschen und erhoffen, dass sie das versuchen. Von der Schule können wir das erwarten und einfordern. Ihre Aufgabe ist es, allen Kindern und Jugendlichen die Chance zu geben, am kulturellen Kapital unserer Zeit teilzuhaben, also am Wissen, an Reflexionsmöglichkeiten, an ästhetischen Verfeinerungen und dies unabhängig davon, ob die jungen Menschen in reiche oder in arme Familien hineingeboren worden sind. Und auch unabhängig von der Weltanschauung und vom Glauben ihrer Väter und Mütter.

In dem Maße, wie der Schule dies gelingt, stärkt sie die Basis für die Verständigung in unserer heterogenen Welt mit ihren zahlreichen konkurrierenden Lebensstilen. Dann wird Schule zu dem Ort, an dem die jungen Menschen das Kerncurriculum für Demokratie und Kultur erfahren.

Daher hat Grundschulpädagogik und -didaktik die grundlegende Aufgabe, wissenschaftlich fundiert Konzepte, Modelle und Anregungen für das Lernen und Lehren in der Grundschule zu entwickeln, zu begründen, zu erproben und zu evaluieren.

Grundschulpädagogik ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das für die Planung, Gestaltung und Analyse von Erziehungs-, Lehr- und Lernprozessen sozialisations-, lern-, schul- und unterrichtstheoretische Befunde berücksichtigen muss. Zu den Aufgaben des Faches gehört es:

  • unterrichtsbezogene Lernvoraussetzungen für Grundschulkinder zu ermitteln;
  • an der Aufklärung lernhemmender und lernfördernder Bedingungen des Grundschulunterrichts unter besonderer Berücksichtigung des Lehrerhandelns mitzuwirken;
  • Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts sowie Lern- und Arbeitsbedingungen in der Institution Grundschule zu erforschen und wissenschaftlich begründet Weiterentwicklungen anzuregen;
  • Studierenden die fachlichen Grundlagen zu vermitteln, um sie zu befähigen, Ziele, Inhalte, Methoden und (sozio-kulturelle, schulorganisatorische, anthropologische, kommunikationstheoretische, psychologische) Bedingungen des Grundschulunterrichts auf einem wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Niveau zu bestimmen, zu analysieren, darzulegen und bei der Planung, Durchführung und Analyse von Unterricht reflektiert anzuwenden.
Dazu gehört unter anderem,
    • den spezifischen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Grundschule mit Bezug auf die Entwicklungsaufgaben im Grundschulalter und auf gesellschaftliche Anforderungen fundiert erläutern zu können
    • Lernausgangslage und Lernentwicklungsmöglichkeiten einer heterogenen Schülerschaft pädagogisch angemessen zu diagnostizieren
    • differenzierte Lernumgebungen zu schaffen, die dem individuellen Entwicklungsstand und Förderbedarf der Kinder gerecht werden
    • die Kinder an systematisches und aufbauendes Lernen zu gewöhnen
    • langfristig verfügbare und damit anschlussfähige inhaltliche und methodische Grundlagen für das Lernen in den weiterführenden Schulen in verschiedenen Lernbereichen zu legen
    • den Kindern individuelle, soziale und kriteriale Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung so erfahrbar zu machen, dass Leistungsmotivation gefördert und nicht beeinträchtigt wird
    • die Kinder bei der Bewältigung von sozialen und emotionalen Herausforderungen des Schuleintritts und des Übergangs in weiterführende Schulen zu unterstützen
    • Eltern bzw. Erziehungsberechtigte in Bezug auf Schullaufbahnentscheidungen begabungs- und entwicklungsgerecht zu beraten