Beratungsstelle Mehrsprachigkeit
Die Thematik der Mehrsprachigkeit in der Sprachheilpädagogik
Obwohl seit Anfang der 80-er Jahre feststand, dass bei der Sprachförderung und Sprachtherapie von mehrsprachigen Kindern eine Reihe von vielfältigen Problemen und Besonderheiten auftreten, die häufig zur Überforderung von Pädagogen und Therapeuten führt, wurden sie jahrzehntelang in den Fachkreisen kaum beachtet. Erst seit dem PISA-Schock entwickeln sich interdisziplinäre Bemühungen, um auf diese für die Effektivität der Förderungsmaßnahmen zentralen Bedingungen einzugehen: In den letzten Jahren werden vermehrt neue Konzepte, Programme und Materialien entwickelt. Man ist bemüht, sie in die Praxis umzusetzen und gegebenenfalls auch zu evaluieren. Nichtsdestotrotz wird die in der Sprachförderung und Sprachtherapie mehrsprachiger Migrantenkinder bestehende Situation immer noch -und vielleicht auch mit Recht- als problematisch und “unbefriedigend” charakterisiert.
Die Hauptproblematik erstreckt sich über folgende Bereiche:
- Diagnostik: Verwendung von Überprüfungsverfahren, die für monolinguale Kinder entwickelt wurden oder Verfahren, die die spezifischen sprachlichen und soziokulturellen Lebensbedingungen der mehrsprachigen Kinder kaum mit einbeziehen.
- Therapie: Anwendung der gleichen Methodik wie bei einsprachigen Kindern, nur selten wird die Mehrsprachigkeit berücksichtigt!
- Beratung: Mangelnde Berücksichtigung der Besonderheiten in Sprache und Kultur sowie der damit verbundenen Wertevorstellungen der Bezugspersonen im persönlichen Lebensumfeld des Kindes.
Mehrsprachigkeit als Handlungsfeld
Am Lehrstuhl für Sprachbehindertenpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden bereits Mitte der 80-er Jahre Inhalte zur Thematik der Zweisprachigkeit angeboten und kleine empirische Studien durchgeführt. Seit der Übernahme des Lehrstuhls durch Herrn Prof. Dr. M. Grohnfeldt im Sommersemester 2000 stellt die Thematik der Mehrsprachigkeit ein eigenständiges Handlungsfeld im Forschungsinstitut für Sprachtherapie und Rehabilitation dar. Die derzeitige Arbeit basiert auf folgender Grundeinstellung:
Die Sprache einer zweisprachigen Person kann und darf nicht mit der Sprache einer monolingualen Person verglichen werden (Grosjean 1989). Sie ist nicht das Ergebnis einer Addition der beiden beteiligten Sprachen, sondern das Produkt einer andersartigen, eigenständigen Entwicklung, die ihre eigene Dynamik zeigt und ihren spezifischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt.
Das Ziel der weiteren Arbeit besteht darin, anhand einer Reihe geplanter Sprachstudien dieser Dynamik und diesen Gesetzmäßigkeiten auf die Spur zu kommen. Sie erstreckt sich über zwei Module, die in einer Wechselbeziehung zueinander stehen und eng mit anderen Arbeitsbereichen des Forschungsinstituts verknüpft sind (s. Abb. 1).
Abbildung 1: Handlungsfelder des FSR im Bereich der Mehrsprachigkeit
Wer sind wir?
Aufgrund verstärkter Migration und der damit verbundenen Probleme für die Betroffenen nahmen in den letzten Jahren Diskussion und Forschung um das Thema Mehrsprachigkeit und mehrsprachige Erziehung zu. Diesbezüglich wurde teilweise kontrovers diskutiert. Daraus sind oftmals Unsicherheiten und Verwirrung bzgl. der Möglichkeiten und Grenzen mehrsprachiger Erziehung entstanden.
Die Beratungsstelle möchte bei solchen Unsicherheiten aufklären, Hilfestellungen leisten und eine grundlegend positive Einstellung gegenüber mehrsprachiger Erziehung vermitteln.
Als angehende Sprachtherapeuten ist es uns außerdem ein großes Anliegen, Sprachauffälligkeiten bei Kindern so früh wie möglich zu erkennen und den Kindern eine entsprechende Förderung oder Therapie zukommen zu lassen; denn je früher Defizite erkannt werden, desto besser können diese abgefangen werden. Für die Diagnostik bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern bedeutet das eine Diagnostik, die soweit wie möglich beide/alle Sprachen berücksichtigt.
Die Beratungsstelle möchte einen Beitrag zur Förderung interkulturellen Zusammenlebens und der Integration leisten, indem sie Mehrsprachigkeit und mehrsprachige Erziehung klar befürwortet und dabei Hilfestellungen für das Aufwachsen mit zwei/mehreren Sprachen und damit in zwei/mehreren Kulturen bietet.
Kontakt
Kontakt / Anmeldung per Telefon oder E-Mail
- Telefonnummer: 089 - 21 80 55 96
(Außerhalb der Sprechzeiten bitte auf den Anrufbeantworter sprechen) - E-Mail-Adresse: LMU.Beratungsstelle@gmx.de
Anschrift und Raum
LMU München
Beratungsstelle für Mehrsprachigkeit
Leopoldstr. 13
80802 München
Raum 3112, Haus 3
U-Bahnhaltestelle Giselastraße
Sprechzeiten
Für eine Terminabsprache zu einem Beratungsgespräch ist immer eine Anmeldung per Telefon oder E-Mail erforderlich.