Lehrstuhl für Schulpädagogik
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Teresa Tillmann - Die Rolle des Temperamentsmerkmals "Hochsensibilität" im Belastungserleben von Lehrpersonen

Kurzbeschreibung

In den vergangenen Jahren rückten Fragestellungen zu der Belastung von Lehrkräften vermehrt in den theoretischen, empirischen und gesellschaftlich-politischen Vordergrund. Ob Lehrkräfte besonders stark von Stress betroffen sind, ist seitdem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen und Untersuchungen. Entsprechende Studien fokussieren dabei häufig auf Ressourcen und individuelle Charakteristika, die es Lehrkräften erschweren, mit beruflichen Belastungen umzugehen.

Im Rahmen des Dissertationsvorhabens wird das Spektrum von möglichen wichtigen Eigenschaften erweitert um das Temperamentsmerkmal „Hochsensibilität“ (Aspekt der sensorischen Informationsverarbeitungsempfindsamkeit; Englisch: „Sensory-Processing Sensitivity“), das auf Elaine N. Aron und ihre Kollegen zurückgeht. Dieses wird in Bezug zu beruflichem Stress am Beispiel der Berufsgruppe der Lehrkräfte gesetzt. Bestehende qualitative und quantitative Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit dem Merkmal „Hochsensibilität“ mehr und feinere Informationen aus ihrer Umgebung verarbeiten. Diese Eigenschaft führt der Befundlage zufolge dazu, dass betroffene Personen schneller überreizt sind und mehr Zeit zur Erholung und Verarbeitung dieser Informationen benötigen (u.a. Aron & Aron, 1997; Aron, 2006; Aron, Aron & Jagiellowicz, 2012; Acevedo et al., 2014). Es wird zudem vermutet, dass genau diese Verhaltensweisen auch die Auslöser von signifikanten Zusammenhängen zwischen „Hochsensibilität“ und Depression sowie Stress darstellen (u.a. Benham, 2006; Brindle, Moulding, Bakker & Nedeljkovic, 2015). Die Analyse der verfügbaren Daten spiegelt wider, dass Schnittstellen zwischen den empirischen Erkenntnissen der Lehrerbelastungsforschung und der Persönlichkeitsforschung zu verzeichnen sind. Gleichzeitig existiert eine Forschungslücke hinsichtlich der Rolle des Merkmals der „Hochsensibilität“ im Arbeitskontext. Das beschriebene Dissertationsvorhaben adressiert genau diese Forschungsdesirata durch folgende Fragestellungen:

  • Welche Rolle spielt das Merkmal der „Hochsensibilität“ im Lehrerberuf?
  • Welche Rolle spielt das Merkmal der „Hochsensibilität“ bei der Auswahl geeigneter Lehramtsstudierender?
  • Können die bisher lediglich theoretisch postulierten Zusammenhänge zwischen der Ausprägung der „Hochsensibilität“ und den Variablen, die empirisch als stressfördernd gelten, bestätigt werden?
  • Kann das Merkmal der „Hochsensibilität“ theoretisch und methodisch von Stress und Burnout (operationalisiert durch Depression) getrennt werden?

Die empirische Grundlage für diese Fragestellung bilden die Daten von zwei Lehrerstichproben einer quantitativen Erhebung, die im Rahmen des Projekts "Risiko-Check für das Lehramt" gewonnen werden. Die Gesamtstichprobe besteht dabei aus zwei Teilstichproben: Eine Stichprobe mit in der Schule tätigen „gesunden“ Lehrer/innen und eine Stichprobe mit psychisch erkrankten Lehrkräften, die in der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee (dem Projektpartner des „Risiko-Check“-Projekts) stationär behandelt werden. Alle Lehrkräfte bearbeiten einen Fragebogen: Zum einen sind persönliche Ressourcen und Verhaltensweisen, wie neben der „Hochsensibilität“ (Aron & Aron, 1997) beispielsweise Bewältigungsstrategien (vgl. Hillert, Sosnowsky & Lehr, 2005) und Lehrerselbstwirksamkeit (vgl. Schmitz & Schwarzer, 2000) erfasst, zum anderen wird das Erleben der beruflichen Tätigkeit abgefragt (basierend auf Ausarbeitungen von Rothland, 2013). Durch dieses Vorgehen ist es möglich, einen Vergleich von psychisch erkrankten und psychisch gesunden Lehrer/innen zu realisieren.

Das längerfristige Ziel liegt darin, Ansatzpunkte für Präventionsmöglichkeiten abzuleiten, die insbesondere für die Auswahl und Selbstreflexion zukünftiger Lehramtsstudierender von Bedeutung sind.

Projektzusammenhang

Projekt "Risiko-Check für das Lehramt"