Lehrstuhl für Lernbehindertenpädagogik
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Prävention und Inklusion: Ziele und Visionen

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Jeder Mensch hat schon einmal mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Die meisten von uns konnten sich dabei selbst helfen, weil sie gelernt haben, wie man Widerstände beim Lernen überwindet. Es gibt allerdings eine Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, deren Lernschwierigkeiten derart schwerwiegend sind, dass sie sie ohne professionelle Unterstützung und Begleitung nicht mehr bewältigen. Meist kommen sie zusätzlich aus schwierigen Lebenssituationen. Sie haben einen Bedarf an spezieller pädagogischer Förderung oder – wie es in der Fachsprache heißt – einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs im Schwerpunkt „Lernen“.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Lernschwierigkeiten geraten heute zunehmend ins gesellschaftliche Abseits. Sie werden diskriminiert, weil sie den Leistungsanforderungen moderner Gesellschaften nicht ohne Hilfe entsprechen können. Bildung und Erziehung wurde ihnen bisher überwiegend in eigenständigen Einrichtungen wie Sonderkindergärten oder Sonderschulen angeboten. In diesen „Schonräumen“ sollten sie sich auf eine spätere gesellschaftliche Integration vorbereiten. Allerdings verstärken diese Sondereinrichtungen die soziale Isolation zusätzlich.
Gegenwärtig wünschen sich allerdings immer mehr Eltern sowie Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Lernschwierigkeiten, dass sie von Anfang an Inklusion leben können. Sie wollen mit Gleichaltrigen in der Kindertageseinrichtung oder der Grund- bzw. Hauptschule der Nachbarschaft spielen, lernen und arbeiten. Damit verbinden sie die Hoffnung, dass sie mit Unterschieden zwischen Menschen umzugehen lernen und versuchen, den jeweiligen Mitmenschen in seinen spezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten zu sehen. Eine Voraussetzung dafür sind „Erfahrungsräume“, in denen sich alle einbringen können und an denen alle teilhaben können. Letztlich arbeiten wir damit an der Verwirklichung einer demokratischen Gesellschaft, in der Menschen die Möglichkeit haben, sich selbst zu bestimmen und gleichzeitig an den Einrichtungen dieser Gesellschaft gleichberechtigt teilzunehmen. Eine inklusive Gesellschaft benötigt deshalb auch eine demokratische Pädagogik.
Für die sonderpädagogische Förderung bei Lernschwierigkeiten bedeutet dies, dass sie in Zukunft an verschiedenen Orten im Bildungssystem benötigt wird. Sonderpädagog*innen mit speziellen Kenntnissen im Schwerpunkt „Lernen“ sind sowohl im Kindergarten als auch in der Grund- und Hauptschule (bzw. Mittelschule) sowie im Gymnasium und in der Erwachsenenbildung erforderlich. Dabei sollte möglichst verhindert werden, dass sich Lernschwierigkeiten verfestigen und ausweiten (Prinzip der Prävention). Außerdem sollte die inklusive Bildung in jedem Fall Vorrang vor der Förderung in eigenständigen Einrichtungen haben (Prinzip der Inklusion).
Im Sinne einer übergreifenden Leitvorstellung steht die Arbeit im Lehrstuhl Lernbehindertenpädagogik unter der Maxime, einen nachhaltigen Beitrag zur Prävention und Inklusion bei Lernschwierigkeiten zu leisten. Es gilt begleitend zum Lebenslauf von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten – gleichsam von der Kinderkrippe bis zum Abitur und darüber hinaus im Wohn- und Arbeitsbereich – jeweils Bildungsangebote bereitzustellen, die nach Möglichkeit die Verfestigung der Lernprobleme verhindern und gesellschaftliche Teilhabe trotz Lernproblemen sicherstellen. Dazu sind veränderte Unterrichts- und Erziehungskonzepte ebenso erforderlich wie vermehrte Aktivitäten in Richtung Teamarbeit, Kooperation und Vernetzung.


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