Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik
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4. Zusammenhänge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und mathematischen Kompetenzen

Projektleiter: Prof. Dr. Andreas Mayer

Projektkoordinator: Maximilian Hamann (StR FS)

Kooperationspartner: Sonderpädagogisches Förderzentrum München Süd, Sonderpädagogisches Förderzentrum München Ost, Sonderpädagogisches Förderzentrum München Nord, Grundschule am Hedernfeld, Greta-Fischer-Schule/Sonderpädagogisches Förderzentrum Dachau, Grundschule an der Stielerstraße.

Laufzeit: ab September 2016

1. Theoretischer Hintergrund und Ausgangslage:

Die internationale und zunehmend auch die deutsche Forschungsliteratur der letzten Jahre macht deutlich, dass Kinder mit sprachlichen Schwierigkeiten nicht nur in den mit Sprache assoziierten Unterrichtsfächern, sondern beispielsweise auch im Fach Mathematik Lernschwierigkeiten entwickeln können.

Lange Zeit stand dabei der Bereich der Sachbezogenen Mathematik im Fokus wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung. Auch aus schulpraktischer Sicht wurden Schwächen in Mathematik meist in Verbindung mit Textaufgaben gesehen.

Die zu diesem Thema ersten veröffentlichten Forschungsarbeiten von Barbara Fazio (1994, 1996, 1999) haben jedoch gezeigt, dass Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten auch im Erwerb der Zahlwortreihe und im Zählen vergleichsweise größere Schwierigkeiten aufweisen als sprachlich normalentwickelte Kinder im gleichen Alter. Neben den Beeinträchtigungen im Erwerb basisnumerischer Zahlverarbeitungskompetenzen (Verständnis für das dekadische Zahlensystem, Mengenverständnis, Transkodierungsfähigkeit) zeigen sprachauffällige Kinder auch ein spezifisches Manko in ihren arithmetischen Fertigkeiten (Donlan et al. 2007). Es konnte gezeigt werden, dass Kinder mit Sprachstörungen erhebliche Defizite im Bereich des schriftlichen Rechnens aufweisen und ihr automatisierter Abruf von Faktenwissen (z.B. 1 mal 1) aus dem Langzeitgedächtnis erschwert ist (Fazio 1999). Zudem ergeben sich für Kinder mit sprachlichen Einschränkungen enorme Hürden beim Erwerb, der Speicherung und der Automatisierung neuer mathematischer Fachwörter (Seiffert 2016).

Kinder mit Sprachstörungen stoßen also im Vergleich zu ihren sprachunauffälligen Klassenkameraden auf erhebliche Lernbarrieren im mathematischen Wissensaufbau.

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten (Sprachverständnis, Grammatik, Wortschatz) und basisnumerischen Fähigkeiten (Zahlverarbeitung und Rechnen) spezifizieren zu können, beziehungsweise zu ermitteln, mit welchen mathematischen Teilfähigkeiten sprachlich beeinträchtigte Kinder besondere Schwierigkeiten haben.

Im darauffolgenden Schuljahr soll auf der Grundlage der ermittelten Ergebnisse den Kindern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erwerb mathematischer Fähigkeiten eine am Lehrstuhl entwickelte, auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Kinder abgestimmte Förderung angeboten werden.

2. Forschungsfragen

Welche spezifischen Zusammenhänge lassen sich zwischen sprachlichen Fähigkeiten und mathematischen Lernschwierigkeiten in der basisnumerischen Zahlverarbeitung sowie in der Rechenfertigkeit nachweisen?Welche auf sprachheilpädagogischen Prinzipien basierenden Interventionsmaßnahmen helfen spracherwerbsgestörten Kindern bei der Überwindung von Lernschwierigkeiten im Bereich der Zahlverarbeitung und im Rechnen?

3. Methode

Im Rahmen des Projekts sollen ca. 100 Kinder der zweiten Klasse aus sieben verschiedenen Schulen (Sonderpädagogisches Förderzentrum München Süd, Sonderpädagogisches Förderzentrum München Ost, Sonderpädagogisches Förderzentrum München Nord, Grundschule am Hedernfeld, Greta-Fischer-Schule/Sonderpädagogisches Förderzentrum Dachau, Grundschule in der Stielerstraße, Grundschule in der Klenzestraße) hinsichtlich der sprachlichen Fähigkeiten (Wortschatz, Satzverständnis, Grammatik, phonologische Informationsverarbeitung), der kognitiven Fähigkeiten und der mathematischen Kompetenzen in der Zahlenverarbeitung und der Rechenfertigkeit überprüft werden.

Bei der Datenerhebung kommen folgende Verfahren zum Einsatz:

Grammatik: ESGRAF 4-8 (Motsch 2016)                                                                                         
Subtest 4: Überprüfung der Kasusmorphologieesgraf-4-8

 

 

 

Abbildung 1: ESGRAF 4-8
(Motsch 2016)

 

Sprachverständnis: TROG-D (Fox-Boyer 2016)
Überprüfung des Sprachverständnisses auf Satzebene trog-d


                                                               

 

 

Abbildung 2: TROG-D
(Fox-Boyer 2016)

Wortschatz: WWT 6-10 (Glück 2011)
Überprüfung der expressiven und rezeptiven Wortschatzleistungwwt-6-10

 

 

 

 

Abbildung 3: WWT 6-10
(Glück 2011)

Mathematik: TEDI-MATH (Kaufmann et al. 2009)

  • Zahlenverarbeitung
    • Größenvergleich arabischer Zahlen
    • Größenvergleich Zahlwörter
    • Dekadisches Positionssystem – Repräsentationen mit Plättchen
    • Transkodieren – Zahlen schreiben nach Diktat
    • Transkodieren – Zahlen lesen
  • Rechenfertigkeit
    • Additive Zerlegung
    • Subtraktion
    • Multiplikation
    • Textaufgaben
    • Kenntnisse arithmetischer Konzepte
      tedi-math


Abbildung 4: TEDI-MATH
(Kaufmann et al. 2009)

Benennungsgeschwindigkeit: TEPHOBE (Mayer 2016)
RAN-Test Zahlen

  • Genauigkeit und Kapazität des phonologischen Arbeitsgedächtnisses: Mottier-Test
    (erste Veröffentlichung Bohny 1981)
  • nonverbale Kognition: K-ABC (Kaufman et al. 2009)tephobe
    Subtest „Dreiecke“

 Abbildung 5: TEPHOBE-RAN Zahlen
(Mayer 2016)

Literatur:

  • Donlan, C.; Cowan, R.; Newton, E. J.; Lloyd, D. (2007): The role of language in mathematical development: evidence from children with specific language impairments. In: Cognition 103 (1), S. 23–33. DOI: 10.1016/j.cognition.2006.02.007.
  • Fazio, Barbara (1994): The counting abilities of children with specific language impairment: a comparison of oral and gestural tasks. In: Journal of speech and hearing research 37 (2), S. 358–368.
  • Fazio, Barbara (1996): Mathematical Abilities of Children With Specific Language Impairment. In: J Speech Hear Res 39 (4), S. 839. DOI: 10.1044/jshr.3904.839.
  • Fazio, Barbara (1999): Arithmetic Calculation, Short-Term Memory, and Language Performance in Children With Specific Language Impairment. In: J Speech Lang Hear Res 42 (2), S. 420. DOI: 10.1044/jslhr.4202.420.
  • Fox-Boyer, Annette (Hg.) (2016): TROG-D. Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses. 7. Auflage. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag (Edition Steiner im Schulz-Kirchner-Verlag).
  • Glück, Christian W. (2011): Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige. WWT 6-10. 2., überarb. Aufl. München: Elsevier Urban & Fischer.
  • Kaufman, Alan S.; Kaufman, Nadeen L.; Melchers, Peter; Preuß, Ulrich (2009): Kaufman-assessment battery for children. K-ABC ; [Individualtest zur Messung von Intelligenz und Fertigkeiten bei Kindern im Alter von 2;6 bis 12;5 Jahren] ; Durchführungs- und Auswertungshandbuch. 8. Aufl. Leiden: PITS Psychologische Instrumenten Tests en Services.
  • Kaufmann, Liane et al. (2009): TEDI-MATH. Test zur Erfassung numerisch-rechnerischer Fertigkeiten vom Kindergarten bis zur 3. Klasse, Huber Verlag.
  • Kiese-Himmel, C.; Risse, T. (2009): Normen für den Mottier-Test bei 4- bis 6-jahrigen Kindern. In: HNO 57 (9), S. 943–948. DOI: 10.1007/s00106-009-1958-4.
  • Mayer, Andreas (2016): Test zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit (TEPHOBE). Manual.3., überarbeitete Auflage. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Motsch, Hans-Joachim; Rietz, Christian (2016): ESGRAF 4-8. Grammatiktest für 4- bis 8-jährige Kinder - Manual : mit zahlreichen Abbildungen, Tabellen und Kopiervorlagen sowie einer CD mit 16 Filmclips und PC-gestütztem Auswertungsbogen. München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Seiffert, Heiko (2016): Lernbarrieren beim Fachwortlernen - zum Beispiel Mathematik. In: U. Stitzinger, S. Sallat und U. Lüdtke (Hg.): Sprache und Inklusion als Chance?! Expertise und Innovation für Kita, Schule und Praxis. Idstein: Schulz-Kirchner (Sprachheilpädagogik aktuell, Band 2), S. 279–292.

 


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