Lehrstuhl für Gehörlosenpädagogik
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FAQs

PIR-Flyer

Öffnen Sie unseren Flyer, um mehr Informationen über unseren Studiengang zu erhalten.

Was bedeutet die Abkürzung PIR?

Was versteht man unter den Begriffen Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit?

Bei der Unterscheidung zwischen Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit sollte man sich bewusst sein, dass jede Hörgeschädigung einzigartig ist. Es ist deshalb schwierig, die Auswirkungen einer Hörschädigung zu verallgemeinern, da sie immer individuell betrachtet werden sollten. In den hier vorliegenden Definitionen werden die übergreifenden Merkmale aufgezeigt, die zur Einordnung genutzt werden.


Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit zu definieren ist schwierig, da allein innerhalb dieser Gruppe eine große Heterogenität vorliegt. Grundsätzlich kann Schwerhörigkeit zu jedem Zeitpunkt des Lebens eintreten. So sind Menschen in jedem Alter und mit unterschiedlichen Sprachständen betroffen. Aus pädagogischer Sicht ist das Gehör schwerhöriger Menschen insofern eingeschränkt, dass sie Lautsprache mit Hilfe individueller technischer Versorgung, wie zum Beispiel Hörsystemen, wahrnehmen und ihre Sprache durch auditive Rückkopplung kontrollieren können.
Schwerhörigkeit kann sich stark auf Sprache auswirken. Beispielsweise können die Sprechweise, die Entwicklung des Wortschatzes oder das sinnentnehmende Lesen oder Verstehen von gesprochener Sprache beeinträchtigt sein. Es ist aber trotz erschwerter Ausgangsbedingungen möglich, die Lautsprache mit einer Schwerhörigkeit zu erlernen.

Gehörlosigkeit

Bei Gehörlosigkeit ist die Hörfunktion sehr stark oder sogar vollständig eingeschränkt. Zusätzlich spricht man von Gehörlosigkeit, wenn die Hörschädigung bereits vor Abschluss des Lautspracherwerbs auftritt. Allerdings ist wichtig zu wissen, dass auch gehörlose Kinder durchaus in der Lage sind, Lautsprache (also gesprochene Sprache) zu erwerben.


Anteil in Deutschland:

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig Zahlen. So lebten 2017 insgesamt rund 7,8 Mio. schwerbehinderte Menschen in Deutschland. 4 % dieser Betroffenen litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2018/06/PD18_228_227.html). Betrachtet man die Zahlen gezielter im Bereich der Hörschädigung, sind sehr unterschiedliche Aussagen zu finden. Die vorliegenden Daten beziehen sich auf eine Untersuchung von Sohn („Hörscreening“, repräsentative Untersuchung über die Hörfähigkeit in der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren, durchgeführt im Mai 1999 von Dr. med. Wolfgang Sohn, Universität Witten/Herdecke in Zusammenarbeit mit Siemens Audiologische Technik; der Öffentlichkeit vorgestellt in einer Pressekonferenz in Berlin im März 2000).

Diese Resultate dienten als Grundlage zur Schätzung der Anzahl von Hörgeschädigten:
Heraus kam, dass 19 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre hörbeeinträchtigt sind. Da der Personenkreis 70 Mio. Menschen umfasste, folgern sich daraus 13,3 Mio. Hörgeschädigte. Eine genauere Einteilung und mehr Informationen können auf folgender Internetseite betrachtet werden: https://www.schwerhoerigen-netz.de/statistiken/?L=0.

Welche Varianten des PIR-Studiums gibt es?

Insgesamt gibt es sechs verschiedene Varianten des PIR-Studiengangs.
Zwei davon stellen sogenannte „grundständige“ Bachelorstudiengänge dar. Diese beiden Bachelorstudiengänge unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung. Während der Studiengang „Prävention, Inklusion und Rehabilitation (PIR) bei Hörschädigung (Modellstudiengang) (B.Sc.)“ die schulische Ausrichtung darstellt, deckt der Studiengang „Prävention, Inklusion und Rehabilitation (PIR) bei Hörschädigung (B.Sc.)“ den vor-, neben- und nachschulischen Bereich ab.

Sowohl für die schulische, als auch für die nebenschulische Ausrichtung werden an der LMU München weiterführende Masterstudiengänge angeboten.


Schwerpunktsetzung während des Studiums:

Zu Beginn des Bachelors studieren alle Studenten gemeinsam „Hörgeschädigtenpädago-gik“. Am Anfang des 4. Fachsemesters wird mit der Wahl der favorisierten Lehrveranstaltung der Schwerpunkt festgelegt. Die Studierenden können sich zwischen „Gehörlosenpädagogik“ und „Schwerhörigenpädagogik“ entscheiden. Ist die Wahl getroffen, so steht der Schwerpunkt für den restlichen Bachelor- und auch den anschließenden Masterstudiengang fest. Daraus ergeben sich je nach Ausrichtung und Schwerpunktsetzung insgesamt vier mögliche Masterstudiengänge. Die nachfolgende Tabelle soll die insgesamt sechs möglichen Studiengänge übersichtlich visualisieren:

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Welche Praktika werden absolviert?

Links

Praktika PIR bei Hörschädigung (Modellstudiengang):

Übersicht

Allgemeine Infos zu Praktika an Förderschulen:

https://www.praktikumsamt.mzl.uni-muenchen.de/informationen/prakordng_neu/info_foe_neu/index.html

Modellstudiengang (PIR bei Hörschädigung schulisch)

Betriebspraktikum

  • Dauer: 8 Wochen
  • Ort: Produktions-, Weiterverarbeitungs-, Handels- oder Dienstleistungsbetrieb; Anmerkung: Studierende des Lehramtes für Förderschule können auch in sozialen Einrichtungen das Betriebspraktikum absolvieren. Ebenfalls kann eine Tätigkeit, die im Rahmen des Bundesfreiwillingendienstes oder eines freiwilligen sozialen Jahres in einer Einrichtung für Behinderte oder in einer allgemeinen Einrichtung des Sozialbereichs abgeleistet wurden, als Nachweis des Betriebspraktikums gesehen werden. Die Anerkennung muss beim Praktikumsamt beantragt werden.
  • Zeitpunkt: muss vor Antritt des Staatsexamens beendet werden
  • Information: https://www.praktikumsamt.mzl.uni-muenchen.de/materialien/info_zu_betriebspra.doc

Orientierungspraktikum

  • Dauer: 4 Wochen (2x2 Wochen)
  • Ort: zwei (!) verschiedene Förderzentren mit zwei (!) verschiedenen Förderschwerpunkten
  • Zeitpunkt: sollte vor Beginn des Studiums absolviert werden (spätestens in den Semesterferien zwischen dem 1. und 2. Fachsemester)

Pädagogisch-didaktisches Schulpraktikum Teil 1 und Teil 2

  • Dauer:
    Teil 1 4 Wochen
    Teil 2 4 Wochen
  • Fach: Nebenfach (Grundschulpädagogik und -didaktik)
  • Ort:
    Teil 1      Förderzentrum Ihrer Wahl

    Teil 2  Grund- oder Mittelschule mit Kooperationsmaßnahmen
    für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf (https://www.praktikumsamt.mzl.uni-muenchen.de/praktikumsschulen/index.html)
  • Zeitpunkt:
    Teil 1 in den Semesterferien zwischen 1. und 2. oder zwischen
    dem 2. und 3. Fachsemester
    Teil 2 in den Semesterferien zwischen 2. und 3. oder zwischen
    dem 3. und 4. Fachsemester

Zusätzliches studienbegleitendes Praktikum

  • Dauer: jeden Dienstag (ein Semester)
  • Fach: Nebenfach (Grundschulpädagogik und -didaktik) oder Drittfach
  • Ort: Allgemeine Grundschule
  • Zeitpunkt: während des 4. Fachsemesters (immer dienstags)

Schulisches Blockpraktikum

  • Dauer: 4 Wochen
  • Fach: Hauptfach (Gehörlosen- oder Schwerhörigenpädagogik)
  • Ort: Förderzentrum Förderschwerpunkt Hören (i.d.R. nicht in München!)
  • Zeitpunkt: in den Semesterferien zwischen dem 4. und 5. Fachsemester

Schulisches studienbegleitendes Praktikum A und B

  • Dauer: jeden Dienstag (zwei Semester)
  • Fach: Hauptfach (Gehörlosen- oder Schwerhörigenpädagogik)
  • Ort: Förderzentrum Förderschwerpunkt Hören, Johanneskirchen (München)
  • Zeitpunkt: Teil A: während des 5. Fachsemesters (dienstags)

                    Teil B: während des 6. Fachsemesters (dienstags)

Zusätzliche Praktika (Erweiterungsfach)

ab dem 7. Fachsemester möglich

PIR bei Hörschädigung nebenschulisch

Folgende Informationen beziehen sich auf die Praktika im Hauptfach PIR bei Hörschädi-gung Bachelor of Science. Praktika im Nebenfach sind an den jeweiligen Lehrstühlen des Nebenfachs anzufragen.

Blockpraktikum Teil A und Teil B

  • Dauer: 90 Stunden pro Teil, also insgesamt 180 Stunden
  • Ort: zwei verschiedene Institutionen
  • Fach: Hauptfach
  • Zeitpunkt: in den Semesterferien zwischen dem 3. und 4. und/oder dem 4. und 5. Fachsemester

Studienbegleitendes Praktikum

  • Dauer: 180 Stunden
  • Ort: eine Institution nach Wahl (oder bei Aufteilung auch zwei Institutionen möglich)
  • Fach: Hauptfach (Gehörlosen- oder Schwerhörigenpädagogik)
  • Zeitpunkt: entweder am Stück während des 6. Fachsemesters oder in zwei Teilen (90 Stunden während des 5. Fachsemesters und 90 Stunden während des 6. Fachsemesters -> empfohlene Variante)

Erlerne ich in meinem Studium die Deutsche Gebärdensprache?

Diese Seite befindet sich aktuell im Aufbau (14.09.2022).

Welche Abschlüsse kann ich erwerben?

Bachelorabschluss

Das Studium ermöglicht einen Bachelorabschluss, für den sechs Regelstudiensemester angesetzt sind. Nach dem Bestehen des Bachelorstudiums erhält man den Bachelor of Science (B.Sc). Dies gilt sowohl bei der schulischen als auch bei der nebenschulischen Ausrichtung.

Masterabschluss

Darauf aufbauend gibt es den Masterstudiengang mit weiteren vier Semestern. Es handelt sich hierbei um den Master of Science (M.Sc). Auch dieser Abschluss kann unabhängig von der Ausrichtung des Studiengangs, also schulisch oder nebenschulisch, erworben werden.

Staatsexamen

Um im Schulwesen arbeiten zu können, muss allerdings beachtet werden, dass zusätzlich das Staatsexamen zu absolvieren ist. Dies betrifft also nur die schulische Ausrichtung des Studiengangs. Das Staatsexamen kann bereits nach dem 3. Mastersemester (wenn bis dahin alle 270 ECTS gesammelt wurden) angetreten werden. In den meisten Fällen entscheiden sich die Studierenden allerdings dafür, zuerst die Masterarbeit zu schreiben und sich anschließend auf das Staatsexamen vorzubereiten. Die Masterarbeit stellt aber keine notwendige Voraussetzung dar, um das Staatsexamen zu absolvieren. Es ist also auch eine Möglichkeit, zuerst das Staatsexamen abzulegen und dann die Masterarbeit zu schreiben oder gleich in das Referendariat zu starten. Durch die Vorbereitung auf das Staatsexamen sollte erwähnt werden, dass bei der schulischen Ausrichtung insgesamt mit einer Studiendauer von etwa 12 Semestern zu rechnen ist.

In welchen Berufsfeldern kann ich später tätig sein?

Will man mögliche Berufsfelder von PIR-Studierenden genauer analysieren, so gilt es, die verschiedenen Organisationsformen der Hörgeschädigtenpädagogik zu betrachten (siehe Tabelle 1).


Erziehung und Bildung hörgeschädigter Menschen

0 – 3 Jahre  3 – 6 Jahre  6 – 16 bzw. 18 Jahre  ab 15 bzw. 18 Jahre
Frühbereich
(Frühförderung etc.)
 Elementarbereich
(Schulvorbereitende
Einrichtung etc.)
Schulischer Bereich (Grund- und Mittelschule)  Berufs- und
Erwachsenen-bildender Bereich

Tabelle 1: Organisationsformen der Hörgeschädigtenpädagogik (in Anlehnung an Leonhardt 2019, 176).

Aus dieser Tabelle wird ersichtlich, dass das Handlungsfeld der Hörgeschädigtenpädagogik die gesamte Lebensspanne von Menschen mit Hörschädigung umfasst. Betrachte man nun die verschiedenen Arten des PIR-Studiengangs, so eröffnen sie die Möglichkeit, neben den Lehramtsstudiengängen (siehe Frage 3) auch ein Studium der Gehörlosen- oder Schwerhörigenpädagogik im vor-, neben- oder nachschulischen Bereich aufzunehmen. Infolgedessen steht je nach Studiengang nicht nur der Lebensabschnitt „Schule“ im Fokus, sondern eine weitaus größere Zeitspanne.


Somit lässt sich folgendes festhalten:

Will man später als Lehrkraft an einer Schule unterrichten, so gilt es, den schulischen Studiengang „PIR bei Hörschädigung (Modellstudiengang, B.Sc.)“ zu wählen, den weiterführenden Masterstudiengang anzutreten und das Studium mit dem 1. und 2. Staatsexamen abzuschließen.

Der nebenschulische Studiengang „PIR bei Hörschädigung (B.Sc)“ hingegen stellt für junge Erwachsene, welche im vor-, außer- oder nachschulischen Bereich arbeiten möchten, eine Wahlmöglichkeit dar. Sie können folglich in sämtlichen Handlungsfeldern der Prävention, Inklusion und Rehabilitation von Menschen jeden Alters mit Hörschädigung arbeiten.

Die Übersicht soll mögliche Berufsfelder abhängig vom gewählten Studiengang visualisieren.

Wie sind die Einstellungsaussichten in den jeweiligen Berufsfeldern?

Die aktuellen Einstellungschancen für das Lehramt Sonderpädagogik sind stets auf der Seite des Kultusministeriums (KM) Bayern zu finden.

Für die Absolventen bis zum Jahre 2030 prognostiziert das KM Bayern sehr günstige Einstellungsaussichten. Im Folgenden findet sich eine Tabelle des KMs zur Veranschaulichung:

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Abbildung 1: Anzahl der Neuabsolventen sowie Festeinstellungen zwischen 2018 und 2030 (KM Bayern 2019,16).

Für die nebenschulischen Einstellungsaussichten kann kein exakter Richtwert gegeben werden, da die Chancen von mehreren externen sowie individuellen Faktoren abhängig sind. Dennoch sind – bei entsprechender Flexibilität – die Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, gut bis sehr gut.


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